Die Idee

Die Welt der Lesben ist vielfältig, und lesbisches Leben hat viele Facetten. Manche von uns lieben Frauen schon, solange sie sich erinnern können, manche leben seit dem frühen Erwachsenenalter mit Frauen und wussten "es" schon immer.

Und dann gibt es da noch eine ganz andere Art des Coming-out ...

Manche Frauen verlieben sich nach vielen Jahrzehnten eines relativ "normalen" Lebens im Alter von 40, 50 oder 60 zum ersten Mal in eine Frau. Einige sind einfach nur erleichtert, endlich zu wissen, wer sie sind. Andere durchleben ein Wechselbad der Gefühle - von Glück und Begeisterung bis hin zur schweren Identitätskrise. Für die meisten - ob Feministinnen oder nicht - führt diese späte Erkenntnis, lesbisch zu sein, über kurz oder lang zu der Entscheidung, ihr Leben vollkommen zu verändern.

Lange gab es für diese Frauen noch nicht einmal einen Namen. Vertraut sind wir seit langem mit allen nur denkbaren Überlegungen, was denn eine Lesbe sei, und den Bezeichnungen "Sandkastenlesben", "Urlesben", "Bewegungslesben", "Szenelesben." In den letzten Jahren ist für Frauen, die ihre lesbische Identität erst spät im Leben erkennen, der aus dem amerikanischen Sprachgebrauch stammende Begriff "Late Bloomers" gebräuchlich geworden - das bedeutet "Spätblüher" oder "Spätentwicklerin."

Erst allmählich wird deutlich, wie viele Aspekte sich mit der bisher nur wenig reflektierten Situation der Late Bloomers verbinden:

  • die ersten Schritte in eine Frauenbeziehung
  • die besonderen Schwierigkeiten eines Coming-out gegenüber dem Partner und/oder den Kindern
  • der innere und äußere Bruch mit gesellschaftlichen Normen, die bis dahin kaum in Frage gestellt wurden
  • veränderte Beziehungen am Arbeitsplatz oder Wohnort, oft mit bis dahin ungewohnten Diskriminierungserfahrungen
  • die Auseinandersetzung mit neuen Frauenbildern und einem neuen Selbstverständnis
  • eine Fülle an neuen Sichtweisen und Eindrücken, die verarbeitet werden müssen
  • die Frage, wie sich die bisherigen Kontakte und familiären Beziehungen und der eventuelle neue Freundinnenkreis integrieren lassen
  • die Herausforderungen einer ganz neuen Lebensplanung

Viele Late Bloomers erleben diese Erfahrungen, die Erschütterung ihres bis dahin gewohnten Lebens, das plötzliche "Anders-sein" und den Einstieg in eine neue, die lesbische Welt als eine lang ersehnte Befreiung, andere als große Belastung. Wie auch immer - in dieser Situation, die oft aus heiterem Himmel kommt, sind Gespräche, Austausch, Klärung und gute Freundinnen wichtig.

Darum haben wir diese Seite als Initiative im Rahmen des Lesbischen Herbst® ins Leben gerufen.

Wir verstehen diese Initiative als einen Beitrag zu einer lesbisch-feministischen Kultur, in der die Late Bloomers einen interessanten Platz einnehmen. Sie stehen auf der Grenzlinie zwischen Hetero- und Lesbenwelt, an der Nahtstelle zwischen dem Mainstream und alternativen Lebenskonzepten und können so dazu beitragen, gewohnte Denkmuster in Frage zu stellen.

Wir möchten Late Bloomers helfen "Ihren Platz" in der Lesbenwelt und in unsere Gesellschaft zu finden.